von Lioba Heinzler, erschienen im RGA und der WZ 09.05.2009
„Bisher hab ich meiner Mannschaft gesagt: Ich erklär das nur einmal. Wer nicht richtig hören kann, ist selbst Schuld.“ Doch der Vorarbeiter ist ins Grübeln gekommen: „Das muss ich in Zukunft wohl anders machen.“ Dabei war die Aufgabe so einfach gewesen: Die geometrischen Figuren auf seinem Blatt sollte er so erklären, dass die anderen gestandenen Führungskräfte diese ungesehen zeichnen konnten. Das Ergebnis war bei jedem Einzelnen anders. Und das, wo doch jeder sein Bestes gab… Vom Chef bis zum Hilfsarbeiter höre ich oft den Satz: „Wieso macht der nie, was ich sage?“ Doch die Sprache transportiert Inhalte eben nur ungenau – und so lösen meine Worte beim anderen ein ganz eigenes Bild aus, geprägt von dessen eigenen Erfahrungen. Ich spreche über „Schloss“ und sehe in meinem Kopf eine zierliche Burg, der andere hört „Schloss“ und stellt sich ein Schlüsselloch vor. Das lässt sich mit einem unschlagbaren Mittel der Kommunikation hintergehen: die Rückmeldung. Dazu braucht es von beiden Seiten die Bereitschaft, die eigene Sicht auf die Dinge in Frage zu stellen. Denn erst wenn ich höre, was der andere antwortet, weiß ich, was ich gesagt habe.
© moewe, 2012