Leben um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

von Sabine Wengelski-Strock, erschienen im RGA und der WZ 30.05.2009

„Work-Life-Balance“ – ein moderner Begriff, der in allen Köpfen spukt. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Jeder verbringt von den 24 Stunden, die ein Tag hat, durchschnittlich acht Stunden am Arbeitsplatz, sechs bis acht Stunden mit Schlafen und mit den übrigen acht  bis zehn Stunden werden Privat- und Familienleben gestaltet. Aber kommt gerade letzteres nicht oft zu kurz? In der heutigen Arbeitwelt erscheint es gar nicht so einfach, zu arbeiten um zu leben. Flexibilität und Einsatzfreude werden im Job erwartet. Viele Menschen arbeiten gern und ganz selbstverständlich länger als die vereinbarte Zeit. Immer vorausgesetzt, dass die Arbeit Freude macht und erst recht notwendig ist. Aber was passiert, wenn der Beruf einen plötzlich so fest im Griff hat, dass die Freiräume für Privat- und Familienleben kleiner und kleiner werden? Oder sogar gegen Null tendieren? Wenn im Kopf gar nichts anderes mehr Platz hat, außer den Gedanken, die um die Arbeit kreisen? Dann ist es höchste Zeit „Stopp!“ zu sagen, tief Luft zu holen und sich selbst gegenüber ehrlich zuzugestehen, dass es kaum noch Freizeit gibt. Helfen kann dann aufzuschreiben, was man wann wo macht. Zum Beispiel, wann man das letzte Mal mit Freunden telefoniert hat, oder wann der letzte Skatabend war. Wann der letzte Schwimmbadbesuch mit den Kindern, der Spaziergang mit dem Partner? Wichtig dabei: Nur „abhängen“ auf dem Sofa zählt dabei nicht.

Ohne Freiräume für persönliche, menschliche und freundschaftliche Begegnungen, breitet sich die Arbeit immer weiter im Leben aus. Schließlich laugt sie aus – auch wenn es gar nicht nötig wäre. Jeder braucht neben der beruflichen Anspannung auch andere Spannungsmomente im Leben, die physisch und psychisch fit halten. Doch diese Erkenntnis muss im eignen Kopf stattfinden und schließlich Veränderungen im Leben mit sich bringen. Auf die Sprünge hilft dabei eine Prioritätenliste für Arbeits- und Privatleben – und nach der einfach mal in der kommenden Woche arbeiten und leben.

 

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