Leben statt funktionieren

von Lioba Heinzler, erschienen im RGA und der WZ 10.07.2010

Da gibt es plötzlich eine WM mit Lebensfreude pur, eine junge, spielbegeisterte deutsche Mannschaft in Südafrika - und hier Zuhause jubeln die Menschen beim Public Viewing und zelebrieren Autokorsos. Jetzt stehen auch noch die Sommerferien vor der Tür, die zumindest die Kinder die Mühsal des Lebens vergessen lassen. Es sind diese Stunden und diese Tage in denen wir Raum und Zeit vergessen, ganz im Hier und Jetzt das Leben genießen können. Wir spüren die Sonne, Wind und Hitze auf unserer Haut, nehmen das Lachen der Kinder und die Menschen auf der Straße bewusster wahr. Es ist Sommer. Die Sonne wirkt strahlender und das Wasser blauer. Das Leben pulsiert. Unsere Sinne jubilieren. Dieses Eintauchen in die zeitlosen Tage ohne Termine lässt uns die Themen des Alltags neu bewerten, lenkt den Blick auf zentrale, existenzielle,  wesentliche Dinge in unserem Leben. Aus dem Abstand zum täglichen Einerlei entwickeln sich neue Ideen, das Verknüpfen mit neuen Eindrücken löst alte Denkknoten. Raum für Innovation und Kreativität entsteht. Wie gut tut es, das Menschsein mit allen Fasern wieder zu spüren, das Kind in uns mit seinen Sehnsüchten und Träumen ernst zu nehmen. Einfach die Seele baumeln lassen ohne Absicht und Ziel, leben statt funktionieren. Wer es schafft, dieses Gefühl zu erhalten, dem werden auch in Zukunft die Dinge leichter von der Hand gehen.

 
 

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