Gefühle stören nur!

von Lioba Heinzler, erschienen im RGA und der WZ 02.10.2010

Wieder so ein Seminarteilnehmer, der lernen will, wie man nur auf der Sachebene kommuniziert – ohne die störende Beziehungsebene. Das sei doch wichtig in Beruf und Privatleben! Aber immer stören die Gefühle! Um es gleich zu sagen: Wer das, was wesentlich zum Menschen gehört, aus der Kommunikation herausnimmt - nämlich unsere Fähigkeit zu Beziehungen und Gefühlen -, der ist ein lebender Toter. Gefühle stören nur? Klar, da funktionieren Menschen plötzlich nicht mehr wie gewohnt, Gefühle können überwältigend werden. Die Frage ist, ob dieses Funktionieren aber wirklich erstrebenswert ist. Werden Gefühle und unsere Sehnsucht nach sozialen, wohltuenden Beziehungen nicht ernst genommen, führen sie ein Schattendasein. Dies ist anstrengend und stresst. Es sind die Gefühle, die das Leben durcheinander wirbeln, die heftig werden bei Konflikten und zart in anderen Momenten. Sie sind es, die unser Leben bunt und vielfältig machen und uns das Leben in uns spüren lassen. Es geht also darum, diesen Gefühlen Raum zu geben, um zu verstehen, was uns anspricht, was uns wütend und zornig oder froh und zärtlich werden lässt. Es geht darum, diese Gefühle zu spüren, Worte zu finden für den Reichtum unseres inneren Erlebens. Dies gilt für unsere privaten Beziehungen genauso wie für die berufliche Kommunikation. Mehr noch: Hier gilt die emotionale Intelligenz inzwischen als Wettbewerbsvorteil.

 

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