von Sabine Wengelski-Strock, erschienen im RGA und der WZ 31.07.2010
Heutzutage haben Menschen zunehmend Angst davor, den geforderten Leistungsansprüchen nicht mehr gerecht zu werden. Das geht dem Briefzusteller ebenso wie dem Manager in den oberen Führungsetagen. Zusätzliche Aufgaben werden laufend noch obendrauf gepackt, ohne dass jemand fragt, ob das überhaupt noch machbar ist. Die Zahlen der DAK-Studie von 2009 sprechen hier eine klare Sprache: Seit Jahren verzeichnen Angststörungen einen enormen Zuwachs. Zehn Prozent aller Krankheitsdiagnosen sind solche Angststörungen! Darüber hinaus nehmen etwa fünf Prozent aller Berufstätigen Psychopharmaka zur Leistungssteigerung. 20 Prozent aller Arbeitenden finden das akzeptabel und würden auch dazu greifen. Merkwürdig – hier wird nicht von Medikamentenmissbrauch gesprochen, sondern von Doping am Arbeitsplatz. Der aus dem Sport stammende Begriff wird dazu benutzt, den alarmierenden Teil dieser Zahlen wieder zu verharmlosen. Es wird im Sport zwar bestraft, aber es macht scheinbar fast jeder. So wird der „Gedopte“ zur Normalität. Auf diese Weise wird verhindert, sich mit Arbeitsbedingungen auseinanderzusetzen. Es wird nicht klar benannt, was leistbar ist und was eben auch nicht. Darunter leidet nicht nur die Arbeitsfreude, sondern auch die Gesundheit. Deswegen: Stopp – kein Doping am Arbeitsplatz! „Doping“ klingt harmlos, aber es bleibt Medikamentenmissbrauch. Und wer will das wirklich?