Der Wolf im Schafspelz

Kolumne von Lioba Heinzler, erschienen im RGA und der WZ 21.11.2009

Jetzt hat mich dieser Kollege wieder einmal mit so einer schnippischen Bemerkung am Rand abgekanzelt, ungerecht und überheblich. Prima, das habe ich jetzt gerade noch gebraucht bei der vielen Arbeit und ausgerechnet von dem wieder. Von dem, der am wenigsten auf die Reihe kriegt, sich aber einfach viel besser verkauft beim Chef. Nun sitzt er wieder an seinem Schreibtisch und telefoniert locker flockig mit seinen Sportkollegen. Ich hocke hier und bin einfach fertig. Eigentlich soll ich dem Chef gleich was abgeben und hab den Kopf nicht frei für die Arbeit. Der Typ verteilt immer wieder leise seine giftigen Bemerkungen am Rand, wertet meine Arbeit ab. Ich bin gekränkt und das Gefühl lähmt mich. Ich werde wütend, schmiede  Rachegedanken. Wer kennt das nicht? So oder so ähnlich. Diese Kollegen zeigen sich auf unterschiedliche Arten, doch die Auswirkungen sind immer ähnlich: Sie kosten Kraft und binden die Energie anderer. Verehrte Chefs, es gibt ihn, den Wolf im Schafspelz! Man muss nur genau hinschauen, darf sich nicht blenden und nicht umschmeicheln lassen. Die Leistungsträger der Abteilung sind selten die Lauten. Angeber üben sich oft schon Jahr lang im Schwätzen: früher bei Mama und Papa, später bei den Lehrern, jetzt sind die Chefs an der Reihe. Sie sind Meister der Ausrede, der Verwirrung und Schuld haben immer die anderen. Doch entscheidend ist nur das Resultat der Arbeit – und ihre Qualität.

 
 

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