Das kleine Einmaleins der Kommunikation

Kolumne von Sabine Wengelski-Strock, erschienen im RGA und der WZ 02.01.2010

Wer mit Sonnenbrille in einen dunklen Keller geht, muss sich auf seine innere Wahrnehmung verlassen. In der Kommunikation ist es genauso: Von Kindesbeinen an lernen Menschen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, zu sprechen und zuzuhören. Die Muster aus der Kindheit haben sich so tief eingeprägt, dass sie blind machen für die eigene Kommunikation. Da wird die Wahrnehmungsbrille aus persönlichen Erfahrungen oft so finster, dass eine Situation falsch interpretiert wird. Menschen hören dann mehr, als der andere tatsächlich gesagt hat, denn die jeweiligen Eindrücke werden nach individuellen Maßstäben bewertet. Und dazu gehört nicht nur gesprochene Sprache. „Man kann nicht nicht kommunzieren“, sagte schon der Kommunikationspapst Paul Watzlawick. Das heißt: Selbst wer den anderen ignoriert, kommuniziert doch. Zum kleinen Einmaleins der Kommunikation gehört, diesen Bewertungsprozess immer wieder anzuhalten. Wer glaubt, zu wissen, was der andere denkt, übt sich im Gedankenlesen. Dieser Automatismus schneidet gute Gedanken schon im Kopf ab, und dann wird Kommunikation noch schwerer als sie sowieso schon ist. Weiter kommt, wer innerlich einen Schritt zurückgeht und neu überprüft, was das Gegenüber eigentlich genau gesagt hat und was man sich dazu gedacht hat. Die Zwischensumme aus beiden kommt der Wahrheit meist am nächsten.

 
 

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