Chancendenker statt Ideenkiller

von Lioba Heinzler, erschienen im RGA und der WZ 29.05.2010

Das Kapital unseres Landes liegt nicht im Boden – hier gibt es nur wenige wertvolle Rohstoffe im Gegensatz zu vielen anderen wirtschaftlich erfolgreichen Staaten. Unser weltweiter Wettbewerbsvorteil lag bisher in den pfiffigen Köpfen unserer Altvorderen. Deutsche Ingenieure waren rund um den Globus wegen ihrer innovativen Lösungen und ihrem technischen Know-how geschätzt und gefragt. Doch es hat sich bei uns etwas verändert. Immer älter werdenden Arbeitsteams fehlt der quirlige, querdenkende Input der Berufsanfänger. Das Land der Dichter und Denker zerfällt immer mehr zum Land der Verwalter und Hüter der Tradition. Viele bleiben bei der Arbeit  auf der stets sicheren Seite, machen es so, wie schon seit Jahren bewährt. Doch dringend benötigte Kreativität und Innovation sind weniger eine Frage der Techniken, sondern eine Frage der inneren Haltung und Einstellung - und das vor allem des Chefs. Dieser erlaubt oder sanktioniert, sicherlich oft nicht bewusst, ob kreativ quergedacht werden darf. Innovative Lösungen verlangen ein Klima des angstfreien Schrägdenkens und einen spielerischen Umgangs mit Problemen. Neue Ideen brauchen Mut zum Ausprobieren und zu Fehlern. Denn ohne Fehlversuche hätten wir alle nicht laufen gelernt. Gefallen mir die alten Antworten nicht, muss ich neue Fragen stellen. Kreativität im Team ist erlernbar – wenn der Chef vorangeht.

 

© moewe, 2012